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Zum Thema Kunststoff

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Der Artikel Zum Thema Kunststoff wurde von Jo Zybell erarbeitet und war bei den Hintergrundinformationen auf dem alten verlagseigenen MX-Portal zu finden, bis dieses 2017 nach einem Hackerangriff abgeschaltet wurde. Er wird mit Erlaubnis des Bastei-Verlags nun hier zur Verfügung gestellt.




Zum Thema Kunststoff
von Jo Zybell

Mit der Frage, wie lange Kunststoffe leben, beschäftigen sich einschlägige Bücher anscheinend nicht. Und zu der Frage, was nach fünfhundert Jahren noch von den heutigen Kunststoffprodukten übrig ist, nimmt ein Chemiker nur ungern Stellung. Sie ist ihm einfach zu theoretisch. Eine grobe Faustregel: Je weniger Additive und Weichmacher ein Kunststoffprodukt enthält, desto länger wird es leben. PVC (ein Stoff mit Weichmachern) z.B. fünfzig bis siebzig Jahre.

Übliche Kabelisolierungen eher noch weniger. Ihre weiße oder graue Farbe geht nach zwanzig bis dreißig Jahren in ein blasses Gelb über. Spätestens dann werden sie ausgetauscht. Wie es ihnen danach ergeht, weiß kein Mensch. Apropos Farbveränderung und Porösität: Zweite Faustregel: Je weniger UV-Strahlen ein Kunststoffprodukt abbekommt, desto länger lebt es. Direkte Sonneneinstrahlung lässt die Farbe des Produktes verblassen und macht es porös.

Für unsere MADDRAX-Welt heißt das: Fünfhundert Jahre alte und noch brauchbare Kunststoffprodukte findet man vorwiegend in geschlossenen (vielleicht auch möglichst trockenen) Räumen.

Und aus welchem Kunststoff könnten diese Produkte bestehen? Ein harter Kunststoff ohne Weichmacher und viele Additive ist zum Beispiel das Polycarbonat. Handelsnamen: Makrolon, LISA, Orgalan, Lexan. Produkte: Spulenkörper, Kontaktleisten, Schutzschalter, Computergehäuse, Mikroskopteile, Fernglas- und Kameragehäuse, Bauelemente, Kaltwasserpumpen, Schaugläser, Ventile, Nähmaschinenteile, Geschirr, Babyfläschchen, Feuerzeuge, Abdeckungen, Schutzhelme, Sicherheitsverglasung, Angelgeräte, Kugelschreibergehäuse ...

Auf der Mülldeponie gibt der Chemiker – nach langem Winden, weil es so furchtbar theoretisch ist – einem Carbonathelm, also zum Beispiel dem extrem harten Schutzhelm, den man im Hochbau trägt, zweihundert Jahre. Nach noch längerem Winden – weil es noch furchtbarer theoretischer ist – gibt er ihm außerhalb von Mülldeponien und einigermaßen geschützt von UV-Strahlung fünfhundert Jahre und mehr.

Auch Teflon scheint unter bestimmten Umständen lange zu halten. Verwendung von Teflon (Polytetrafluorethylen – PTFE): Rohre, Schläuche, Dichtungen, Ventile, Pumpen, Auskleidungen, Gleitlager, Trockenschmiermittel, Draht- und Kabelisolierungen, Beschichtungen. Einem Spezialteflon gibt der Chemiker sogar auf der Mülldeponie dreihundert Jahre. Fakt aber ist auch hier: Niemand weiß es wirklich.

So weit, so wenig zum Kunststoff. Bei Glas übrigens verhält die Sache sich weniger differenziert und wesentlich praktischer. Faustregel: Glas hält so lange, bis es runterfällt – so ein Glasbläsermeister. Das älteste erhaltene Glas ist viertausend Jahre alt und stammt aus Ägypten, wo Glas erfunden wurde.

Informationsquellen:

„Der Plastikreport“, Hrsg. Jean Pütz, Köln '89; informiert über einzelne Kunststoffe, gibt aber für unsere Frage nach der Lebensdauer von Kunststoff nicht viel her.

Ein Chemiker von BUND, der natürlich alles unter dem Gesichtspunkt sieht: Wie lange braucht welches Zeug, um auf der Deponie zu verrotten?

Anmerkung vom Redax

Nicht vergessen: Der Kometeneinschlag findet im Jahre 2012 statt! Bis dahin können neue, haltbarere Kunststoffe entwickelt worden sein (in Bd. 2 erwähne ich einen Vollgummireifen aus „Plastiflex“). Auch gibt es in zivilisierteren Gegenden der MADDRAX-Welt mittlerweile schon wieder Fabrikationsanlagen, in denen Gummi und einfache Kunststoffe produziert werden. So eine Anlage müsste mal in einem Roman erwähnt werden.

Siehe auch